Blackout Vorsorge: Was ein normaler Haushalt wirklich braucht

Brennendes Teelicht auf einem Holztisch – ruhige Vorsorge bei Stromausfall

Als im September 2025 im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick nach einem Brandanschlag auf zwei Strommasten rund 50.000 Haushalte und Betriebe plötzlich ohne Strom dastanden — und das knapp 60 Stunden lang, der bis dahin längste Stromausfall in Berlin seit Kriegsende — habe ich mich das erste Mal ernsthaft hingesetzt und überlegt: Was hätte ich eigentlich zu Hause, wenn mir das passiert wäre?

Nicht als Weltuntergangs-Szenario. Sondern als nüchterne Frage: Wenn das in der Hauptstadt passieren und fast drei Tage dauern kann, wie sieht eine vernünftige Vorsorge für einen ganz normalen Haushalt aus?

Dieser Artikel ist der Versuch einer ehrlichen Antwort. Ohne Untergangsstimmung, ohne Bunkerplan, ohne 500-Euro-Notfallrucksack. Dafür mit dem, was realistisch zählt, wenn der Strom wirklich mal mehrere Tage weg ist.

Die Kurzfassung — für 72 Stunden ohne Strom

  • Wasser — 2 L pro Person und Tag zum Trinken und Kochen, plus separat Wasser für Hygiene
  • Licht — Taschenlampe mit Ersatzbatterien, Kerzen und Streichhölzer
  • Wärme — warme Kleidung, Schlafsack oder dicke Decken (Heizung fällt mit aus)
  • Lebensmittel — ein paar Tage Vorrat, auch ohne Kochen essbar
  • Kommunikation — Batterie- oder Kurbelradio, geladene Powerbank
  • Bargeld — in kleinen Scheinen (Karten und Automaten fallen aus)

Das ist die Kurzversion. Jetzt zu der Frage, warum genau diese Dinge — und was viele Leute unterschätzen.

Was bei einem Blackout wirklich passiert

Ein Stromausfall ist nicht einfach "kein Licht". Die Kaskade, die in Gang kommt, wenn der Strom länger wegbleibt, überrascht die meisten Leute:

Innerhalb von Minuten: Licht weg, Internet weg, Kühlschrank aus, elektrische Rollläden stehen, der Fernseher ist schwarz. Handys funktionieren zunächst noch — aber die Funkmasten haben meist nur Notstrom für ein paar Stunden.

Innerhalb weniger Stunden: In Hochhäusern fällt der Wasserdruck aus, weil die Druckerhöhungspumpen keinen Strom mehr haben. Auch in Neubaugebieten am Stadtrand kann das passieren. Wer im Erdgeschoss eines Einfamilienhauses wohnt, hat oft noch Wasser aus der Leitung, aber verlassen würde ich mich darauf nicht. Mobilfunk wird lückenhaft oder fällt ganz aus.

Nach etwa 12 Stunden: Heizung ist kalt — auch Gasthermen brauchen Strom für die Steuerung und die Umwälzpumpe. Im Winter wird die Wohnung spürbar kühler. Die Tiefkühltruhe hält bei geschlossener Tür noch etwa 24 bis 48 Stunden, der Kühlschrank deutlich weniger.

Nach 24 Stunden: Supermärkte sind in der Regel zu. Kassen, Kühlregale, Eingangstüren, Beleuchtung — alles braucht Strom. Tankstellen auch. Bankautomaten ebenfalls.

Das Perfide daran: Die Reihenfolge ist nicht zufällig. Strom zuerst, Wasser überraschend schnell danach, Wärme schleichend, Kommunikation in Wellen. Wer das im Kopf hat, versteht, warum man nicht einfach "ein bisschen Konservendosen kaufen" sollte und fertig.

Die Grundversorgung für 72 Stunden

Wasser — der größte blinde Fleck

Wenn ich nur eine Sache aus diesem Artikel mitgeben dürfte: Kümmere dich zuerst um Wasser. Die meisten denken bei Blackout an Essen und Licht, aber Wasser ist das Problem, das am schnellsten akut wird — und das am unterschätztesten ist.

Faustregel (BBK): 2 Liter pro Person und Tag — 1,5 L zum Trinken, 0,5 L zum Kochen. Für Hygiene rechne noch einmal dasselbe drauf. Ein Zwei-Personen-Haushalt über drei Tage kommt so auf rund 24 Liter.

Wer in einem Hochhaus wohnt, sollte das besonders ernst nehmen. Fällt die Druckpumpe aus, kommt aus dem Hahn innerhalb von Stunden nichts mehr. Keine Dusche, keine Klospülung, kein Kaffeewasser.

Es gibt im Grunde drei Ansätze, und sie schließen sich nicht aus:

  1. Wasser auf Vorrat kaufen — große Flaschen oder Kanister. Unkompliziert, aber braucht Lagerplatz und man denkt immer wieder daran, das Zeug durchzutauschen, bevor es abläuft.
  2. Wasser im Ernstfall aufbereiten — mit einem Filter und Entkeimungstabletten lässt sich Leitungswasser, Regenwasser oder notfalls Wasser aus einem nahen See in Trinkwasser verwandeln. Braucht weniger Platz, muss aber vorher da sein.
  3. Eine Kombination aus beidem, was in der Praxis am klügsten ist: ein paar Kanister stehen lassen, plus die Möglichkeit, weiteres Wasser aufzubereiten, wenn die Lage länger dauert als gedacht.

Wärme und Licht

Licht ist der einfache Teil. Ein paar Taschenlampen mit Ersatzbatterien, dazu Kerzen mit festen Kerzenhaltern — nicht das wackelige Teelicht auf dem Ikea-Regal, sondern etwas, das stabil steht. Stirnlampen sind unscheinbar, aber Gold wert, weil man beide Hände frei hat.

Wärme ist komplizierter. Heizen mit offenen Flammen in der Wohnung ist gefährlich (Kohlenmonoxid!) — also keine Gasheizpilze, keine Grills, kein Spiritusbrenner zum Heizen. Was funktioniert: sich warm anziehen (Mützen drinnen sind keine Schande), die Zimmer reduzieren auf einen Raum, den man bewohnt, Decken und Schlafsäcke bereithalten. Wenn die Sonne scheint, Vorhänge zur Südseite auf. Nachts alles dicht.

Im Winter ist das die ernsteste Komponente. Eine Wohnung kühlt je nach Dämmung pro Tag um ein paar Grad ab. Nach drei Tagen sind es drinnen schnell einstellige Temperaturen.

Lebensmittel

Hier kann man es übertreiben — und die meisten tun es. Die Regel ist einfach: Was brauchst du, wenn du nicht kochen kannst?

Konserven sind fertig gegart und lassen sich zur Not kalt essen. Zwieback, Knäckebrot, Haferflocken, Nüsse, Trockenobst, Erdnussbutter, Honig — alles haltbar, alles ohne Strom essbar. Schokolade auch, sowohl aus Kaloriengründen als auch für die Moral.

Ein kleiner Campingkocher mit einer Gaskartusche oder Spiritus ist sehr nützlich, wenn man heißen Tee oder eine warme Mahlzeit haben will. Aber wirklich nur draußen oder sehr gut gelüftet betreiben.

Und das Prinzip des BBK ist goldrichtig: Leg dir nur das auf Vorrat, was du auch sonst isst. Ein rotierender Vorrat, der stetig aufgebraucht und ersetzt wird, verstaubt nicht im Keller, bis er drei Jahre abgelaufen ist.

Kommunikation

Ein batteriebetriebenes Radio (oder eins mit Kurbel) ist im Ernstfall überraschend beruhigend. Der Mobilfunk fällt oft als Erstes aus oder wird überlastet — aber UKW-Radio funktioniert meist noch über lange Zeit, und die Warn-Apps des Bundes (NINA, KATWARN) brauchen ein Netz, das du dann vielleicht nicht hast.

Eine volle Powerbank — am besten zwei — rettet das Handy für die paar Momente, in denen das Netz wieder erreichbar ist. Solar-Powerbanks klingen schick, sind aber in der Praxis oft langsam und unzuverlässig. Eine normale, große Powerbank mit 20.000 mAh reicht für die meisten Szenarien.

Die häufigsten Denkfehler

"Der Strom kommt doch nach zwei Stunden wieder." In 95 Prozent der Fälle stimmt das. Köpenick ist nicht die Regel. Aber die Vorsorge ist ja genau für die fünf Prozent da, bei denen es anders läuft.

"Ich fahr dann halt schnell in den Supermarkt." Funktioniert nicht. Ohne Strom keine Kasse, keine automatische Tür, kein Kühlregal — der Laden hat zu. Und selbst wenn nicht: Bargeld hast du vermutlich kaum dabei, und der EC-Automat ist auch aus. Zwei Stunden nach Blackout-Beginn ist jedes geöffnete Geschäft in der Umgebung leergekauft.

"Ich hab ja einen Gasherd." Moderne Gasherde zünden elektrisch und haben oft Sicherheitsventile, die ohne Strom schließen. Ältere Modelle gehen noch mit Streichholz. Prüf das, bevor du dich darauf verlässt.

"Meine Tiefkühltruhe hält das." Sie hält geschlossen 24 bis 48 Stunden, danach taut sie langsam ab. Wenn der Blackout drei Tage dauert, ist der Inhalt Grenzfall. Ohnehin gilt: Bei längerem Stromausfall zuerst das verbrauchen, was im Kühlschrank liegt, dann die Gefrierware, dann die Konserven.

"Wasser kommt aus dem Hahn, solange ich nicht im 20. Stock wohne." Jein. Wasserwerke haben Notstrom, aber die Druckerhöhungspumpen im Netz nicht überall. In Teilen von Treptow-Köpenick war das Wasser 2025 auch betroffen. Und wenn dein Haus eine eigene Hausdruckanlage hat, was auch in Mehrfamilienhäusern im dritten Stock vorkommt, sitzt du genauso schnell trocken wie jemand in einem Hochhaus.

Der pragmatische Einstieg — ohne Überforderung

Wenn du das jetzt liest und denkst "okay, aber wo fange ich an, ohne gleich einen halben Samstag auf irgendwelchen Prepper-Seiten zu verbringen" — das ist eine faire Reaktion. Die ehrliche Wahrheit ist: Man kann sich an dem Thema stundenlang abarbeiten, und am Ende hat man entweder nichts gekauft oder drei verschiedene Taschenlampen, die alle nicht zusammenpassen.

Der größte und wichtigste Bereich ist, wie oben gesagt, Wasser. Wer sich das stundenlange Vergleichen ersparen will, fährt mit einem fertig zusammengestellten Set gut — typischerweise Wasserfilter, Entkeimungstabletten und ein Kanister in einer Packung. Das ist keine Wunderwaffe, sondern einfach eine getroffene Entscheidung: einmal gekauft, in den Schrank gelegt, Thema Wasser abgehakt. Für alle, die nicht drei Abende lang Produktvergleiche lesen wollen, ist das die pragmatische Abkürzung.

Der Rest — Kerzen, Batterien, Radio, Konserven, Powerbank — ist ein ganz normaler Samstagseinkauf in Drogerie, Supermarkt und Baumarkt. Einmal durchziehen, einmal ein Regal im Keller oder einen Karton in der Abstellkammer dafür reservieren, und das Thema ist für die nächsten Jahre weitgehend erledigt.

FAQ

Wie lange sollte ich mich maximal selbst versorgen können? Das BBK empfiehlt 10 Tage. Für den Anfang reichen 72 Stunden — damit bist du für die realistischsten Szenarien gerüstet. 10 Tage sind der Komfortbereich, nicht die Pflicht.

Ist Leitungswasser aus dem Kanister noch nach Monaten trinkbar? Wenn der Kanister sauber und lichtgeschützt steht, ja. Leitungswasser ist in Deutschland chloriert genug, dass es über Monate haltbar ist. Trotzdem ist es schlau, den Vorrat ein- bis zweimal im Jahr durchzutauschen.

Was mache ich mit Medikamenten, die gekühlt werden müssen? Das ist ein echtes Problem — Insulin zum Beispiel. Sprich mit deinem Arzt oder deiner Apotheke über Notfallstrategien. Kühlboxen mit Kühlakkus helfen für ein, zwei Tage, aber nicht ewig.

Muss ich ein Notstromaggregat kaufen? Für die allermeisten Haushalte: nein. Aggregate sind teuer, brauchen Sprit, müssen draußen stehen (wegen Abgasen), und wenn es hart auf hart kommt, ist der Sprit auch weg. Wer ernsthaft darüber nachdenkt, hat meist besondere Gründe — medizinische Geräte, ein Haus auf dem Land ohne nahe Versorgung. Für den Standardhaushalt ist das Overkill.

Bringt es was, in einer Mietwohnung vorzusorgen? Ja, genau gleich. Die Grundlogik — Wasser, Licht, Wärme, Essen, Kommunikation — gilt in der Dreizimmerwohnung im vierten Stock genauso wie im Einfamilienhaus. Sogar etwas dringender, weil der Wasserdruck schneller ausfällt.

Was ist mit Haustieren? Rechne sie mit ein. Hund und Katze brauchen Wasser und Futter genauso — und haben keine Wahl, sich das woanders zu organisieren.

Ab wie vielen Personen lohnt sich die ganze Sache? Ab einer. Allein zu Hause im Dunkeln zu sitzen, ohne Wasser und ohne Information, ist genauso unangenehm wie mit Familie — und man hat niemanden, der nebenbei Kerzen holt.

Zum Schluss

Blackout-Vorsorge ist kein Hobby und kein Lifestyle. Es ist eine einmalige Anschaffung, ein Regal im Keller, und danach die gelegentliche Gedankenübung, ob die Batterien noch tun und das Wasser noch durchgetauscht gehört.

Köpenick 2025 hat gezeigt, dass so etwas auch in einer deutschen Großstadt drei Tage dauern kann. Und es blieb kein Einzelfall: Nur knapp vier Monate später legte ein zweiter, davon unabhängiger Brandanschlag — diesmal auf eine Kabelbrücke in Berlin-Lichterfelde im Januar 2026 — den Südwesten der Stadt über vier Tage lahm, noch länger als Köpenick. Das ist weder Weltuntergang noch Anlass zur Panik, aber zwei großflächige Ausfälle in so kurzer Zeit sind Grund genug, sich einmal eine halbe Stunde hinzusetzen und eine Einkaufsliste zu schreiben.

Mehr braucht es erstmal nicht. Nächstes Wochenende abhaken, und gut ist.

Den Wasser-Teil in einem Rutsch erledigt

Filter, Entkeimungstabletten, Faltkanister und Begleitheft — einmal gekauft, Thema Wasser abgehakt.

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